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Pfeilkunde: Warum keine Holzpfeile?

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Holzpfeile sind leicht zu fertigen und wer nach traditionellen Maßstäben mit Pfeil und Bogen schießen möchte, interessiert sich sehr für Holzpfeile. Wer jedoch an Feldbogenturnieren und FITA - Turnieren (Sternturniere, FITA im Freien oder FITA Halle) teilnehmen möchte, benötigt gutes Material das einem keine Nachteile einbringt. Holz ist ein Naturmaterial und hat aus diesem Grunde viele Eigenschaften die sich nicht für den ernsthaften Turniersport eignen. Diejenigen Turnierschützen die mit Carbonpfeilen oder Aluminiumpfeilen schießen haben konstantere Trefferlagen, da diese Materialien nicht so großen Schwankungen unterworfen sind, als es bei Holz der Fall ist.

Warum keine Holzpfeile?


Um diese Frage zu beantworten muss man zuerst verstanden haben, worauf es beim Bogenschießen ankommt. Wie komplex das Bogenschießen in der Kombination "Technik des Schützen" und "verwendetes Material" ist, wird ein Außenstehender nicht verstehen können und erst ein fortgeschrittener Bogenschütze wird nach ca. 1 Jahr intensiven lernens (unter Anleitung eines erfahrenen Trainers) die tieferen Zusammenhänge begreifen lernen.

Aber man kann es auch anders Beschreiben. Die Kunst des Bogenschießens ist die Kunst des Identischen. Es kommt darauf an, bei jedem Schuss eine immer gleiche Haltung im Stand, den Griff in den Bogen, den Griff in die Sehne, dem Auszug und Anker, der Rückenspannung und dem Lösen zu erreichen. Nur dann treffen wir immer auf die gleiche Stelle (und das wolen ALLE Bogenschützen, die Spaßschützen genauso wie die Turnierschützen!)


Genau die gleichen Anforderungen müssen wir aber auch an das verwendete Material stellen. Die Sehne, die Wurfarme, das Mittelteil und der Pfeil sollen sich bei JEDEM Abschuss immer gleich verhalten. Nur dann fliegen die Pfeile auch immer auf die gleiche Stelle.


Bogenschießen ist die Kunst des identischen!


Wenn man sich nun die Eigenschaften von Holzpfeilen anschaut, wird man folgendes feststellen:


  • 1. Holz ist nicht so stabil wie Carbon oder Aluminium und daher müssen die Holzpfeile in einer bestimmte Mindestdicke gefertigt werden. Dicke Pfeile haben aber einen hohen Luftwiderstand und damit sind Holzpfeile keine guten Pfeile für große Entfernungen.
  • 2. Holz ist ein Naturmaterial. In einem Stück Holz entstehen daher unterschiedliche Spinewerte (Biegefähigkeit des Pfeils). Kein Holzpfeil ist identisch, daher entstehen bei verwendung von Holzpfeilen größere Streuungen auf der Scheibe, die Gruppe ist größer.


  • 3. Holz arbeitet und verändert sich ständig. Durch eine höhere oder niedrigere Luftfeuchtigkeit oder gar Regen, werden die Eigenschaften des Holzpfeils stark verändert und dies führt ständig zu einer anderen Trefferlage auf der Scheibe.



Bei Verwendung von Aluminium oder Carbon braucht sich der Schütze um solche Dinge nicht zu sorgen und erhält daher eine höhere Ringzahl. Der Holzpfeil ist also wirklich nicht für einen Turnierschützen geeignet und sollte in der Tat nur auf dem Langbogen geschossen werden (Abhängig vom Verband sind Holzpfeile für den Langbogen vorgeschrieben).


Der Holzpfeil kann einen hochgezüchteten Recurvebogen oder Compoundbogen sogar beschädigen. Häufig werden filegrane Pfeilauflagen eingesetzt, um die Flugbahn des Pfeils besser zu stabilisieren und identischer zu gestalten. Ein grober Holzpfeil ist durchaus in der Lage die modernen Pfeilauflage zu beschädigen.


Auch hinsichtlich der Krafteinwirkung auf den Pfeil ist Holz ein nicht geeignetes Material. Bei modernen Recurvebögen oder Compoundbögen wurde das ganze Material darauf hin optimiert, die Kraft bestmöglich auf den Pfeil zu übertragen. Ein Holzpfeil kann durch seine instabilen Bewegungen einen Teil der Kraft an den Bogen zurück geben und so längerfristig die Wurfarme beschädigen, zumindest können die superteuren Wurfarme ihre Leistung nicht entfalten.


All diese hier genannten Gründe führen mich zur Aussage, dass Holzpfeile nicht auf Recurvebogen oder Compound geschossen werden dürfen.

Wer es dennoch machen möchte, soll sich das teure Geld für einen Recurvebogen sparen und sich lieber mit einem Langbogen anfreunden. Bei einem Langbogen ist die Philosophie eine andere. Man versucht wie "Robin Hood" zu schießen und trifft hier auf Gleichgesinnte. Die natürlichen Streuungen im verwendeten Material haben alle gleichermaßen und Langbogenschützen nehmen dies als Herausforderung.

Anders bei den Recurveschützen oder Compoundschützen. Hier ist das Moderne und die Präzizion und die Wiederholbarkeit des Schusses im Vordergrund. Wer in diesen Disziplinen schießen möchte, kämpft auf hohem Niveau um jeden Ring und kann es sich nicht leisten, von vorne herein mit einem Materialnachteil auf dem Turnier anzutreten.


Die Wahl des Pfeilmaterials ist aber nur die halbe Wahrheit. Viele Neueisteiger kaufen sich den Bogen bei ebay und erhalten dort häufig auch ein paar Pfeile dazu. Dies ist sicherlich ein sehr schlechter Weg um sich mit dem Bogensport anzufreunden. Der Bogen ist wie ein paar Schuhe die dem Schützen passen müssen. Und die Pfeile sind wie gutes Werkzeug. Beides muss gut aufeinander abgestimmt werden, um ein schönes Schussbild zu erreichen. Dies kann in der Regel nur ein Verein mit erfahrenen Schützen und Trainern leisten die den Bogenschützen langsam heranführen und das Material optimieren. Wenn der Pfeil nicht zum Bogen passt, dann ist das wie wenn man mit einem 18er - Schraubenschlüssel versucht eine Kreuzschraube zu lösen. - Das wird nix!


Bogenschützen die schlecht beraten worden sind oder keine Hilfestellung erhalten, schießen häufig mit schlecht abgestimmten Material. Die schlechte Trefferlage der Pfeile liegt dann nicht unbedingt am Schützen, sondern daran, dass der Pfeil beim Abschuss am Bogen anschlägt oder die Kraft des Bogens nicht verarbeiten kann.

Das der Schussablauf so komplex ist und dass die Eigenschaften des Bogens, der Wurfarme und der Pfeil so großen Einfluss auf das Bogenschießen haben, kann ein Einsteiger natürlich nicht wissen. Dem Einsteiger bleibt daher nur der Rat, sich an einen erfahrenen Bogenschützen und besser Trainer, zu wenden.

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